Ausstellung variable dimensions vom 9.11. bis 21.12.2007 in den Kanzleiräumen von WilmerHale

9. November 2007

Mit der Ausstellung „variable dimensions“, die am 8. November 2007 von WilmerHale Partner Dr. Frank Roitzsch eröffnet wurde, gibt die internationale Anwaltssozietät Wilmer Cutler Pickering Hale and Dorr LLP erneut jungen, in Berlin lebenden Künstlern die Möglichkeit, ihre Arbeiten einem breiten Publikum aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu präsentieren.

Die von Dietke Jahraus kuratierteAusstellung „variable dimensions“ * stellt Arbeiten von fünf in Berlin lebenden Künstlern vor, die sich mit den Medien Fotografie, Malerei, Installation, Skulptur und Zeichnung befassen.

 

Die Arbeiten zeigen, auf welch unterschiedliche Art und Weise Künstler Raum und Volumen schaffen, wiedergeben oder zum Gegenstand ihrer Untersuchungen werden lassen. Hierzu gehören Skulpturen im klassischen Sinn, installative Arbeiten, die zwischen Zwei- und Dreidimensionalität changieren und auch Werke zweidimensionaler Medien, die Räumlichkeit etwa zeichnerisch entwickeln oder die räumliche Dimension architektonischer Motive fotografisch festhalten. Architektur, wissenschaftliche und gesellschaftliche Phänomene sind hierbei Auslöser des künstlerischen Schaffens. Auch Materialvorlieben und kunsthistorische Bezüge spielen eine entscheidende Rolle.

 

Die Vernissage zu „variable dimensions“ am 8. November 2007 zeigte zeitgenössische Kunst in einem kommunikativen Rahmen. WilmerHale begrüßte 330 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Medien und der Kunstszene.

 

* auch Maßangabe von Kunstwerken, deren Ausmaße je nach Ausstellungsort variieren

Zu den ausgestellten Künstlern:

Philipp Fürhofer (*1982 in Augsburg) ist diesjähriger Absolvent der UdK Berlin. Er bemalt Leuchtkästen und Acrylglasscheiben, aus denen er eine Installation eigens für die Räume der Sozietät konzipiert. Alltagsmedien, persönliche Erlebnisse wie auch wissenschaftliche Phänomene führen zu seinen dynamischen Bildmotiven. Seine Arbeiten zeichnen sich durch ein Nebeneinander von figürlichen und abstrakten Elementen aus. Fürhofers favorisierter Maluntergrund ist transparent, Licht spielt in seinen Arbeiten eine entscheidende Rolle. Durch einen abwechselnd pastosen oder lichtdurchlässigen Farbauftrag lässt der Künstler die Farben ganz unterschiedlich erscheinen und je nach Lichteinfall den Ausdruck der Bilder verändern. Durch die Transparenz der Arbeiten wird der umliegende Raum unmittelbar miteinbezogen, was insbesondere bei seinen Fensterinstallationen zum Ausdruck kommt. So entsteht ein spannendes Wechselspiel von drinnen und draußen, bei dem sich die Grenze zwischen Fläche und Raum aufzulösen scheint.

 

Jeroen Jacobs (*1968 in Helmond, Niederlande) ist Bildhauer (1995 Absolvent de Ateliers, Amsterdam), sein Material ist Beton. Er fertigt abstrakte Skulpturen mit Gussnegativen aus Hartfolien und Holz an, in einem Prozess, bei dem immer auch ein kleiner Anteil zufällig bleibt. Produktionsspuren wie etwa ausquellende Überschüsse lässt er bewusst stehen, wodurch der Entstehungsprozess stets präsent bleibt. Seine Plastiken zeichnen sich durch das bewegte Wechselspiel kantiger, klarer Formen und organisch runder Motive aus. Glatte, fast glänzende Oberflächen kontrastieren mit rauen und großporigen Partien. Jacobs gelingt es dadurch, alle Facetten des profanen Materials herauszustellen. Hierbei setzt er seine Skulpturen auf individuell angefertigten Sockeln in Szene: auffällig gestaltete Holzsockel, die lackiert oder mit Stoff überzogen wurden, und selbst skulpturalen Charakter erhalten. Auch hier ist es das Haptische, sowie der Umgang mit Raum und Volumen, den der Künstler gezielt herauszustellen weiß.

 

Heidi Specker (*1962 in Damme) absolvierte ein Studium der Fotografie an der HGB Leipzig, wo sie zurzeit mit einer Vertretungsprofessur (Klasse Fotografie und Medien) beauftragt ist. Ihr fotografisches Interesse galt zunächst vor allem architektonischen Details. Sich scheinbar endlos wiederholende Fassadenelemente aus Beton, deren karge Schönheit sie in klaren Kompositionen und mithilfe digitaler Bildbearbeitung herauszustellen wusste, waren lange Zeit Thema ihrer Arbeiten. In den jüngeren, ausgestellten Fotografien ‚Bangkok’ und ‚IM GARTEN’ treten neben die stets menschenleeren Architekturaufnahmen erstmals Bilder, in denen Architektur und städtische Natur in einen ebenbürtigen Dialog miteinander treten. Haftet den ‚Bangkok’-Bildern noch ein Hauch von dokumentarischen Reisebildern an, konzentriert sich ‚IM GARTEN’ auf das Gegenüber der klaren Architektursprache und organisch gewachsenen Formen. Auffallend sind hier die präzisen Bildausschnitte, markanten Farbkontraste und die nahezu skulpturale Wiedergabe borkiger Baumstämme vor farbigen Fassaden.

 

 

Jorinde Voigt (*1977 in Frankfurt/M) schloss ihr Studium 2004 bei Katharina Sieverding an der UdK Berlin ab. „Strom“, „2 küssen sich“, „Algorithmus Adlerflug“ oder „akustische Impulse“ sind Elemente von Jorinde Voigts zeichnerischen Arbeiten, die sich in den großformatigen Diptychen ‚Konglomerat’ begegnen. Ihre Bleistift- und Tintezeichnungen entwickeln einen Raum bzw. eine Struktur, die stets in Bewegung begriffen scheint und sich wie ein kraftvoller Strom weiter ausbreiten will. Voigt spricht hierbei selbst von Notationen, die sich aus unterschiedlichen Elementen zusammensetzen. Die Elemente besitzen gesellschaftlichen Symbolcharakter, wie etwa das Wappentier des Adlers, stehen für zivilisatorische Phänomene wie Strom oder menschlich-private Aktionen wie das Küssen. Zahlensysteme, wie z.B. die Fibonaccifolge dienen als Wachstumslinien, um aus den einzelnen Elementen Strukturen aufzubauen. Der Richtungsverlauf, der sich über das Blatt ausbreitenden Strukturen und ihre räumliche Expansion werden während des Schaffensprozesses immer wieder neu spontan bestimmt.

 

 

Christof Zwiener (*1972 in Osnabrück) ist Absolvent der HbK Braunschweig, 2005. Seine filigranen Rauminstallationen, dokumentarisch erscheinenden Fotografien und Filme wirken rätselhaft und manchmal beiläufig in der Präsentation. Er wählt für seine teils großformatigen Skulpturen Bindfäden als Material, die er mit Klebebändern an Decke und Boden befestigt. Trotz ihrer äußerst feinen Beschaffenheit bilden sie Zwischenräume, Grenzen und transparente Körper. Je nach Lichtsituation treten sie deutlicher hervor oder lassen sich nur erahnen. Zwiener sucht das Spiel zwischen Transparenz und Greifbarem. Mit seinen Titeln verweist er auf eine zweite Ebene der Interpretation, die Erinnerung, Sehnsüchte oder emotionale Zustände anspricht.

In einer 16-teiligen Fotoreihe dokumentiert er zuvor im Raum gebaute Fadenkonstruktionen, die minimalistische Grafiken des amerikanischen Künstlers Fred Sandback dreidimensional zitieren. Diese Aufnahmen sind kaum von den Grafiken Sandbacks zu unterscheiden. Bei einer dann folgenden zweiten Aufnahme erzeugt der Künstler durch eine Perspektivenverschiebung ein abstraktes Liniengewirr.

Im Film ‚Willano’, für den er ein Pferd mit Reflektorpunkten ausstattete und in einem abgedunkelten Raum filmte, kokettiert er mit der Frage nach dem Vorhanden- oder nicht Vorhandensein des nur vage angedeuteten Körpers.


Kontakt für weitere Informationen:

 

Dietke Jahraus
Kuratorin
E-Mail: dietke.jahraus@web.de
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